25 Jahre Privatisierung & Inbetriebnahme Neuinvestition

Großinvestition bringt Texilbeschichter Vowalon weiter voran   Feierliche Inbetriebnahme erfolgt mit Partnern aus Wirtschaft und Politik / Familienunternehmen begeht 25. Jubiläum der erfolgreichen Privatisierung

Treuen/Vogtland, 29. Juni 2017 –  In der Vowalon Beschichtung GmbH, Treuen, wird am Freitag, 30. Juni 2017, in Anwesenheit wichtiger Partner aus Wirtschaft und Politik eine hochmoderne Lackier- und Prägeanlage im Wert von über 5 Mio. EUR feierlich in Betrieb genommen. Die in der Fachsprache so bezeichnete neue Hochleistungszurichtungsanlage (HZA) ermöglicht die effiziente, hochwertige und umweltfreundliche Veredlung von Kunstlederoberflächen sowie die Erzeugung von vielfältigen Dessins und Materialfunktionen. Vowalon kann damit seinen Produktionsausstoß deutlich erhöhen und der wachsenden Nachfrage gerecht werden. Als prominenter politischer Gast hat Fritz Jäckel, Sächsischer Staatsminister für Bundes- und Europaangelegenheiten und Chef der Staatskanzlei, seine Teilnahme an diesem besonderen Ereignis angekündigt. Zugleich will er dem Familienunternehmen in Vertretung von Ministerpräsident Stanislaw Tillich zum Jubiläum der erfolgreichen Privatisierung vor 25 Jahren gratulieren.

Wie die Geschäftsführenden Gesellschafter Mareen Götz und Gregor Götz am 29. Juni 2017 vor Journalisten in Treuen berichteten, hat Vowalon seit der Privatisierung 1992 aus eigener Kraft über 40 Mio. EUR in Gebäude, Maschinen und Anlagen sowie in zwei Logistik-Center am Traditionsstandort Treuen investiert. 2016 belief sich der Jahresumsatz des Unternehmens mit Kunden in Deutschland sowie in über 50 Ländern weltweit auf mehr als 40 Mio. EUR. In den vergangenen Jahren ist die Mitarbeiterzahl auf aktuell rund 240 angewachsen. Vowalon produziert jährlich zirka 15 Mio. m² hochwertige Textilbeschichtungen auf PVC- und Polyurethanbasis, insbesondere für Polster- und Fahrzeugkunstleder, flexible Materialien für technische Zwecke, Heimtextilien, Schuh- und Täschnerwarenkunstleder sowie flammkaschierte Materialien für die Fahrzeugindustrie. Der Betrieb ist nach der Automobilnorm TS 16949 sowie nach den DIN ISO 9001 – Qualitätsmanagement, ISO 14001 - Umweltmanagement und ISO 50001 - Energiemanagement zertifiziert.   

1992 hatte der gebürtige Vogtländer Friedmar Götz gemeinsam mit seiner damaligen Geschäftspartnerin Jutta Hölzel, die 2007 in Ruhestand ging, das Werk Treuen der Kunstlederfabrik Tannenbergsthal per Management-Buy-Out übernommen. Nach anfänglich dramatisch negativer Entwicklung, die insbesondere vom politisch bedingten Ausfall von Hermes-Bürgschaften im Russland-Geschäft verursacht wurde (mehr dazu auf Seite 3), erschloss er zielstrebig weltweit neue Märkte und brachte die Firma auf Erfolgskurs. Auch die Regelung der Unternehmensnachfolge gelang. 2008 übernahm sein Sohn Gregor Götz die Mitverantwortung für die Geschicke der Firma; Ende 2015 überließ Friedmar Götz Tochter Mareen Götz seinen Platz in der Geschäftsführung. 

Der mittlerweile 66-jährige Firmengründer ist nach wie vor beratend für Vowalon tätig; außerdem engagiert er sich als Vorstandsvorsitzender des in Chemnitz ansässigen Verbandes der Nord-Ostdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie e. V. (vti) für die Belange der ostdeutschen Textil- und Bekleidungsbranche.

„Die nun in Betrieb gehende Großinvestition ist ein folgerichtiger Schritt zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und zugleich ein Beleg für die strategisch kluge Unternehmenspolitik von Vowalon“, betonte vti-Hauptgeschäftsführer Bertram Höfer. Er würdigte die Lebensleistung von Friedmar Götz mit den Worten: „Seinen vielfältig ausgeprägten Management-Fähigkeiten ist es maßgeblich zu verdanken, dass sich Vowalon vollkommen eigenständig zu einem der international führenden Spezial-Kunstlederhersteller entwickeln konnte. Nach wie vor erfolgt die Produktion ausschließlich im vogtländischen Treuen, wo modernstes Equipment für Misch- und Beschichtungsprozesse zur Verfügung steht.“  

Enge FuE-Kooperation mit dem FILK Freiberg

Bei der Entwicklung neuer Produkte und Verfahren kooperiert Vowalon eng mit Einrichtungen wie dem Forschungsinstitut für Leder- und Kunststoffbahnen (FILK), Freiberg, wo Friedmar Götz seine Erfahrungen als Vorsitzender des FILK-Fördervereins einbringt. Stark beachtete Produktinnovationen der jüngeren Vergangenheit sind z. B. mit phthalatfreien Weichmachern produzierte Kunstleder sowie beheizbare Polsterkunstleder. Jüngstes Highlight ist ein gemeinsam mit dem FILK sowie Industriepartnern entwickeltes umweltfreundliches Textilbeschichtungssystem, dessen Herstellungsprozess nahezu hundertprozentig ohne schadstoffhaltige Lösungsmittel gelingt. Die so erzeugten Hygienetextilien sind wasserabweisend, atmungsaktiv sowie koch- bzw. waschbeständig und können flammfest ausgerüstet werden.

Weltneuheiten, die Vowalon in jüngerer Vergangenheit auf den Markt brachte: 

  • Ein Störlichtbogen resistentes Kunstleder in den Farben Leuchtorange und Neongelb für die Herstellung von Arbeitsschutzbekleidung von Elektromonteuren u. ä. Berufen (Material lt. US-Norm).
  • Eine atmungsaktive, wasserundurchlässige und hoch temperaturbeständige PUR-Membrane, u. a. geeignet für die Herstellung von Feuerwehrschutzbekleidung.
  • Die Avalon-Versiegelung – sie schützt Kunstlederoberflächen u. a. gegen das Eindringen von aggressiven Haarfärbe- und Desinfektionsmitteln sowie vor Kaffee- oder Rotweinflecken.

Ein Blick zurück in die Geschichte von Vowalon:

Die Privatisierung erfolgte 1992 zu einer Zeit, in der die Firma vor allem mit Hermes-Bürgschaften besicherte Aufträge für Russland bearbeitete. Für 1993 waren Verträge über 16 Mio. DM unterzeichnet. Quasi mit der Unterzeichnung des MBO-Privatisierungsvertrages am 1. Juli 1992 stoppte die Bundesregierung die Hermesbesicherten Geschäfte mit Russland. Das Privatisierungskonzept war somit de facto hinfällig. Seinerzeit verlor Vowalon den größten Teil des Kundenstamms, da zudem die Automobilproduktion bei Sachsenring und Wartburg eingestellt wurde. Beide Firmen gehörten neben dem Kinderwagenhersteller Zekiwa Zeitz zu den größten Abnehmern von Kunstleder. 1992 erwirtschaftete Vowalon 21 Mio. DM Umsatz, 1993 nur noch 13 Mio. DM!  Es begann ein leidenschaftlicher Kampf ums Überleben der Firma, die ihre Produkte nun vor allem in Westeuropa anbot.

Zahlreiche kundenspezifische Produktentwicklungen führten letztendlich dazu, dass 1995 die tiefe Talsohle durchschritten werden konnte. Nach und nach avancierte Vowalon zum gefragten Spezial- bzw. „Nischenproduzenten“. Seither ging es stetig aufwärts. In der Folgezeit konnten mehrere Großinvestitionen verwirklicht werden. So erfolgte im Jahr 2000 zum 100-jährigen Firmenjubiläum die Inbetriebnahme der ersten 3-Strich-Universalbeschichtungsanlage (Investitionsvolumen ca. 10 Mio. DM). Zehn Jahre später wurde die zweite 3-Strich-Hochleistungsbeschichtungsanlage und ein Logistikcenter (für 14 Mio. EUR) in Betrieb genommen. 2010 erwarb Vowalon vom deutschen Textilhersteller Ploucquet die Marke Medilind (hochwertige PUR-Beschichtungen für den medizinischen Bereich) und konnte damit in einem wichtigen Zukunftsmarkt Fuß fassen.    www.vowalon.de